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Labrador Retriever of Cape Makkovik

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Wenn aus Arbeit Sport wird

Die Arbeits- und Field-Trial Prüfungen für Retriever

 

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Die Jagd bietet für den Hund drei Arbeitsbereiche: das Verfolgen des Wildes, den Schuss und danach das Bergen der Stücke. Dieses letzte Gebiet ist die Aufgabe des Labrador Retrievers, so wie sein Name besagt. In einer Zeit, in der die Jagd – und dies ist fast weltweit der Fall – nicht mehr dem Beschaffen der Nahrung dient, ist es trotzdem undenkbar, dass der Jäger geschossenes Wild nicht birgt. Ohne hier in irgendeiner Weise polemisch sein zu wollen, kann doch die Zukunft der Jagd als Freizeitbeschäftigung nicht nur dem Geschäftsmann als Jäger vorbehalten bleiben. Es gilt eine Umwelt zu respektieren, die sich ändern muss, um eine Fauna zu bewahren, die zweifellos erhaltenswert ist. Die Aufgabe heißt deshalb ein geschossenes Wild zu suchen und zu bergen. Dies ist eine Aufgabe, die oft einem Retriever übertragen wird. Der Labrador macht hierbei eine besonders gute Figur. Unter diesem Gesichtspunkt sind sportliche Prüfungen geschaffen worden, die wir uns jetzt anschauen wollen.

Prüfungen für Retriever

Diese Prüfungen wurden geschaffen, damit jeder Besitzer eines Retriever, auch des Labradors, die Qualitäten seines Hundes beurteilen kann.

Jagdliche Jugendprüfung

Mit dieser Prüfung werden die natürlichen Anlagen des Junghundes in Hinblick auf seine Eignungen und auf seine zukünftige Verwendung für den vielseitigen Jagdgebrauch, aber auch als Zuchthund überprüft. Diese Prüfung soll gleichzeitig den Erwerb der Eltern erkennen lassen. Dies ist möglich, wenn möglichst viele Nachkommen überprüft werden.

Der Retriever arbeitet bei der Jagd hauptsachlich nach dem Schuss. Deshalb dient die Prüfung der Feststellung der Anlagen und Eigenschaften eines Verlorenbringers, einer sehr guten Nasenarbeit, gepaart mit Finde- und Spurwille und Wesensfestigkeit. Letztere zeigt sich vor allem in der Ruhe, Konzentration und dem Durchhaltewillen bei der Arbeit.

Die einzelnen Übungen der Prüfung

Folgende Anlagen werden beurteilt:

Freie Verlorensuche

Wasserfreudigkeit und Verlorensuche im deckungsreichen Gewässer

Spurwille und Sicherheit auf der Schleppspur

Standruhe (Steadyness)

Merken (Marking)

Feststellung der Schussfestigkeit

Nasengebrauch

Bringen von Nutzwild (Haar- oder Federnutzwild)

Führigkeit

Arbeitsfreude

Bei der Verlorensuche werden in einem Gelände von der Größe 50 m x 50 m vier Stück Nutzwild eingeworfen. Das Gelände sollte gut bewachsen sein. Der Hund sollte möglichst viele Wildstücke finden, er muss jedoch nicht alle bringen.

Bei der Verlorensuche im deckungsreichen Gewässer soll der Hund in einem See, Teich oder langsam fliessenden Gewässer mit gutem Schilfbewuchs oder anderer Deckung eine Ente bergen. Der Retriever sitzt frei bei Fuss, am gegenüber liegenden Ufer wird ein Schrotschuss in die Luft abgegeben und von dort eine Ente in die Deckung geworfen. Diesen Wurf soll der Retriever eräugen. Schwimmend soll der Retriever dann die Ente erreichen, sie ohne Zögern aus dem Wasser annehmen, zurück schwimmen und die geworfene Ente bringen.

Bei der Schleppe folgt der junge Retriever einer vorher gelegten Spur eines Stückes Haarwild (Hase oder Kaninchen), die mindestens 300 m lang ist und möglichst rechtwinklige Haken enthält.

Bei der Überprüfung der Standruhe und des Merkens (Steadiness & Marking) wird ein Stück Wild in ein Feld oder in eine Wiese, die mindestens 20 cm hoch bewachsen ist, ausgeworfen. Gleichzeitig wird ein Schrottschuss abgegeben. Hundeführer und Retriever beobachten das Auswerfen und die Hunde einer Prüfungsgruppe werden einzeln geschickt, um das ausgeworfene Stück Wild zu finden, aufzunehmen und zu bringen. Bewertet wird sowohl die Standruhe der nicht arbeitenden Retriever als auch das Merken des jeweils arbeitenden Tieres. Bei all diesen Prüfungen wird die Schussfestigkeit, der Nasengebrauch, das Bringen und die Arbeitsfreude überprüft.

Die Retriever sind beim Ableisten dieser Prüfung mindestens 9 und höchstens 24 Monate alt.

Dummy-Prüfung

Auch die Dummy-Prüfung dient dem Überprüfen der jagdlichen Eigenschaften sowie dem Grad der bisherigen Ausbildung der Hunde. Die Tiere sollen das Alter von 9 Monaten erreicht haben. Die Prüfung gliedert sich in mehrere Aufgaben:

Angeleint und frei folgen

Absetzen und Kommen auf Kommando

Platz & Bleib

Landmarkierung: Dabei wird der Dummy für den Hund sichtbar 40 m weit mit Schuss geworfen, der Hund muss den Dummy zum Führer zurückbringen.

Wassermarkierung: Das Wasser muss so tief sein, dass der Hund schwimmend den mit Schuss ausgeworfenen Dummy erreichen, aufnehmen und zu seinem Führer zurückbringen kann.

Verlorensuche an Land: außer Sichtweite des Hundes wird auf ein Gelände mit dichter Deckung ein Dummy gelegt, den der Hund seinem Führer zurückbringen muss.

Landmarkierung: Bei dieser Übung sieht der Hund den geworfenen Dummy. Er sieht jedoch nicht, wo der Dummy landet, denn er wird in eine tiefe Deckung geworfen. Der Hund hat aufgrund seiner Merkfähigkeit den Dummy zu finden und zu seinem Hundeführer zurückzubringen.

Markieren über tiefem Wasser: Der Dummy wird mit Schuss so geworfen, dass der Hund zwar den Wurf sieht, jedoch nicht, wo der Dummy niedergeht. In jedem Fall wird der Dummy so geworfen, dass der Hund ihn nur schwimmend erreichen kann.

Einweisen auf zwei Dummys: Beide Dummys werden so eingeworfen, dass der Hund sie nicht sieht. Er soll auf Anweisung seines Hundeführers nacheinander die zwei Dummys finden und bringen.

Einweisen auf eine Schleppe über ein Gewässer: Der Hund folgt zunächst einer Schleppfährte, die mit dem Dummy gelegt wurde. Der Weg muss durch ein Gewässer gehen. Der Hund soll der Schleppfährte folgen, den Dummy finden und seinem Führer zurückbringen.

Dummy-Prüfungen werden in verschiedenen Schwierigkeitsgraden durchgeführt, es gibt eine Anfänger-Klasse (A), eine Fortgeschrittenen-Klasse (F) und eine offene bzw. Sieger-Klasse (S).

Working Test

Jede Dummy-Prüfung ist auch ein Workingtest. Der Schwierigkeitsgrad des Workingtests richtet sich nach der bereits bestandenen Prüfungsstufe bei der Dummy-Prüfung. Eine festgelegte Prüfungs-Ordnung gibt es in dem Sinne für den Workingtest nicht, er ist stark an der Jagdpraxis orientiert. Es werden die jagdlichen Einsatzfähigkeiten nach dem Schuss beurteilt. Workingtests werden auch wettkampfmässig ausgetragen.

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Field Trials (Arbeitsprüfungen im Feld)

Durch eine Arbeitsprüfung im Feld soll die Zucht der Retriever vorangetrieben und verbessert werden, da man bei dieser Prüfung die am besten für das Gelände geeigneten Hunde selektieren kann. Es sollen Hunde herausgefiltert werden, die die wirkliche Neigung haben, geschossenes Wild aufzuspüren. Sie sollen ein gutes Temperament haben, die retrieverspezifischen Markierfähigkeiten (Marking), guten Geruchssinn haben und einsetzen, Initiative zeigen und mit weichem Maul apportieren.

Die Durchführung eines Field Trials unterliegt dem internationalen Reglement für Arbeitsprüfungen im Feld der Fédération Cynologique Internationale (FCI). Diese Prüfungen finden an praktischen Jagdtagen statt mit natürlichem Wild, das im Anwesenheit der Hunde geschossen wird. Es kann ein CACIT vergeben werden.

Field Trials können während einer Treibjagd abgehalten werden. Dabei können die Hunde am Ort sitzen oder während eines Treibens in der Treiberlinie frei bei Fuss gehen (Work Up). Wünschenswert ist es, dass die Hunde an der Treiblinie sowohl auf dem Land als auch im Wasser geprüft werden. Die Arbeit im Wasser ist bei einem Field Trial zwingend vorgeschrieben. Die von der FCI herausgegebene Prüfungsordnung baut auf dem englischen Field Trial auf. Es gibt auch eine entsprechende Prüfungsordnung für diese Wettbewerbe in Frankreich. Hier geht der Hund während der gesamten Prüfung an der Leine, während der Hund bei dem englischen Field Trial sich frei bewegt, bis etwa 3m vom Hundeführer entfernt.

 

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